Die Unternehmenslandschaft driftet in der Transformation auseinander

89 Prozent der Unternehmen verändern derzeit ihre Wertschöpfungsaktivitäten oder Geschäftsmodelle; bei etwas mehr als der Hälfte dieser Unternehmen (56 Prozent) steht die nachhaltige Ausrichtung hierbei zumindest teilweise im Vordergrund. Allerdings zeichnet sich eine zunehmende Polarisierung ab. Diejenigen Unternehmen, die sich nachhaltig transformieren, vertiefen laut Umfrage ihre Bemühungen. 16 Prozent der Unternehmen sagen, Nachhaltigkeit sei der zentrale Treiber. Vor drei Jahren waren es 12 Prozent. Auf der anderen Seite wächst die Zurückhaltung.  Die Gruppe der „Basisunternehmen“ – Unternehmen, die in der Befragung angeben, nur sehr wenig im Bereich der nachhaltigen Geschäftsmodelltransformation zu tun – wuchs von 21 auf 27 Prozent. „Die Unternehmen entwickeln sich zunehmend unterschiedlich: Während ein Teil seine Geschäftsmodelle stärker verändert, bewegt sich ein anderer kaum. Gleichzeitig wächst der Abstand zwischen Unternehmen, die Nachhaltigkeit fest in ihr Geschäft integrieren, und solchen, bei denen sie wenig Bedeutung hat. Dieses Auseinanderdriften in beiden Bereichen nennen wir die Doppel-Drift“, sagt Florian Lüdeke-Freund, Professor für unternehmerische Nachhaltigkeit an der ESCP Business School in Berlin

Bertelsmann Stiftung

Resilienz: Ein Großteil der Unternehmen sieht sich nicht gewappnet für die nächste Krise

Ob Lieferengpässe, Personalausfälle, Cyberangriff, Stromausfälle oder Extremwetter: Unternehmen in Deutschland fühlen sich schlecht gewappnet für die nächste Krise. 50,5 Prozent halten sich für eher schlecht oder sehr schlecht vorbereitet, nur 18,8 Prozent sehen sich gut oder sehr gut gerüstet. Zwar geben 54,8 Prozent der Unternehmen an, aus vergangenen Krisenerfahrungen gelernt zu haben, aber ein festes Budget für Pilotprojekte zur Krisenbewältigung, regelmäßige Simulationen oder Planspiele nutzt nur ein Bruchteil der Unternehmen.

Nicht einmal die Corona-Pandemie hat daran etwas geändert: Zwar ist der Ausfall eines Viertels der Belegschaft für viele Unternehmen längst kein rein hypothetisches Szenario mehr – sondern eins, welches sie während der Corona-Pandemie selbst machen mussten – dennoch geben mehr als die Hälfte der Unternehmen (53,4 Prozent) an, dass sie schlecht oder sehr schlecht auf dieses Szenario vorbereitet seien

Zuversichtlicher blicken die Unternehmen auf ihren Resilienzbeitrag für die eigene Wertschöpfungskette. Hier geben viele Unternehmen an, durch ihre Produkte oder Dienstleistungen, Innovationen sowie durch direkte Kooperationen einen positiven Effekt auf die Resilienz ihrer Partner und Kunden zu haben.

Bertelsmann Stiftung

Wer sich nachhaltiger aufstellt, investiert eher in die eigene Wettbewerbsfähigkeit

Ein entscheidendes Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit sind Investitionen – und deutsche Unternehmen investieren vor allem defensiv. 60 Prozent der Unternehmen investieren in den Erhalt oder Ersatz ihrer Substanz. In Erweiterungen investieren dagegen nur gut vier von zehn Unternehmen (44 Prozent), in Forschung, Entwicklung und Innovationen nur jedes vierte (gut 26 Prozent). Je wichtiger Nachhaltigkeit für die Veränderung von Geschäftsmodellen ist, desto stärker investieren Unternehmen in ihre Zukunft und ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit. Eine um 10 Prozentpunkte höhere Einschätzung der Bedeutung von Nachhaltigkeit mündet in eine um fast 1,5 Prozentpunkte höhere Investitionstätigkeit.

Trotz des insgesamt defensiven Investitionsverhaltens schätzen viele Unternehmen ihre eigene Zukunft deutlich besser ein, als es in der öffentlichen Diskussion den Anschein hat. 61,9 Prozent der Unternehmen erwarten, Kundenanforderungen künftig besser erfüllen zu können als ihre Wettbewerber, nur gut 4,1 Prozent rechnen mit dem Gegenteil.

Die Studienautoren empfehlen Unternehmen, ihre Einschätzungen zu nachhaltigkeitsbezogenen Chancen und Risiken regelmäßig zu überprüfen, nach Veränderungspotenzialen im eigenen Geschäftsmodell zu suchen und Krisenerfahrungen in feste Vorsorgeverfahren zu übersetzen, etwa durch die Überführung von Erkenntnissen aus vergangenen Krisen in strategische Planung, kontinuierliche Verbesserungsprozesse, Übungen und Budgets. Die Politik sollte die Nachfrage nach nachhaltigen und resilienten Produkten und Dienstleistungen stärken – etwa über öffentliche Beschaffung, vergleichbare Produktinformationen und marktbildende Standards – und ihre Unterstützung gezielt am unterschiedlichen Transformationsstand der Unternehmen ausrichten.