Ein Team arbeitet verteilt: Einige sitzen im Büro, andere im Homeoffice, wieder andere sind unterwegs. Ideen entstehen im Chat, im spontanen Gespräch in der Kaffeeküche oder im virtuellen Workshop. Dieses Bild ist längst Realität in vielen Organisationen. Und weiterhin wird die Frage, wo Innovation eigentlich entsteht, kontrovers diskutiert. Ist es das Büro mit seinen spontanen Begegnungen? Oder das Homeoffice mit seinen Freiräumen für konzentriertes Arbeiten?

Diese Gegenüberstellung greift zu kurz. Unsere aktuelle Studie zeigt: Innovation entsteht nicht an einem einzelnen Ort, sondern im Zusammenspiel von Arbeitsweise, Austausch und einer Arbeitsumgebung, die genau diese Austauschprozesse unterstützt. Entscheidend ist damit nicht primär das „Wo“ der Arbeit, sondern das „Wie“.

Präsenz allein erklärt keine Innovation

In der öffentlichen und organisationalen Diskussion wird häufig ein direkter Zusammenhang unterstellt: Mehr Präsenz im Büro soll automatisch zu mehr Kreativität und Innovation führen. Diese Annahme erscheint intuitiv, da Ideen oft im Austausch mit anderen entstehen.

Die empirischen Ergebnisse zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Zwischen Büropräsenz und Innovationsfähigkeit lässt sich kein einfacher Zusammenhang herstellen. Sowohl hohe als auch geringe Präsenzanteile können mit hoher Innovationsfähigkeit einhergehen. Gleichzeitig gibt es in beiden Fällen auch Gruppen mit geringerer Innovationsleistung.

Damit wird deutlich: Der Arbeitsort hat durchaus eine Bedeutung für Innovation, aber er wirkt nicht isoliert. Entscheidend ist, wie er genutzt und gestaltet wird.

Die Analyse zeigt, dass sich unterschiedliche Muster der Arbeitsorganisation identifizieren lassen, die jeweils mit unterschiedlicher Innovationsfähigkeit einhergehen. So gibt es sowohl hoch innovative Gruppen mit moderater Büropräsenz als auch solche, die einen Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen.

Es gibt also nicht den einen richtigen Arbeitsort für Innovation. Vielmehr lassen sich verschiedene funktionierende Modelle erkennen, die jeweils durch unterschiedliche Kombinationen aus Präsenz, Flexibilität und Zusammenarbeit geprägt sind.

Was Innovation tatsächlich antreibt

Wenn nicht der Ort allein ausschlaggebend ist, stellt sich die Frage, welche Faktoren den Unterschied machen. Die Ergebnisse der Studie, die im Rahmen des Innovationsnetzwerks Office21 des Fraunhofer IAO entstanden ist, zeigen, dass mehrere Ebenen zusammenwirken.

Ein zentraler Faktor ist die Arbeitsweise. Dort, wo Mitarbeitende intensiv zusammenarbeiten, Ideen gemeinsam weiterentwickeln und unterschiedliche Perspektiven einbringen, entstehen eher innovative Lösungen. Entscheidend ist weniger die Häufigkeit kurzer Abstimmungen, sondern die Möglichkeit zu vertieftem Austausch und gemeinsamer Entwicklung.

Auch die Arbeitsumgebung spielt eine wichtige Rolle. Allerdings geht es nicht einfach darum, ob ein Büro vorhanden ist. Entscheidend ist, ob die Arbeitsumgebung gezielt auf kreative Zusammenarbeit und bereichsübergreifenden Austausch ausgerichtet ist.

Büroflächen, die Begegnung, Co-Creation und spontane Interaktion ermöglichen, tragen deutlich stärker zur Innovationsfähigkeit bei als Arbeitsumgebungen, die vor allem auf individuelle Tätigkeit ausgelegt sind.

Hinzu kommen individuelle und organisationale Faktoren. Besonders relevant sind Abwechslung bei der Arbeit, die Möglichkeit zu lernen, Spaß an der Tätigkeit und das Engagement für die Organisation. Diese Aspekte zeigen, dass Innovation immer auch eine Frage von Motivation und Kultur ist. Sie entsteht dort, wo Mitarbeitende bereit sind, Neues auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen.

Das Büro verändert seine Rolle

Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Rolle des Büros verändert. Es verliert an Bedeutung als selbstverständlicher Standardarbeitsplatz, gewinnt aber gleichzeitig an Bedeutung als gezielt genutzter Ort für Zusammenarbeit und Innovation.

In hybriden Arbeitswelten wird das Büro vor allem dann relevant, wenn Austausch, Vertrauen und gemeinsame Entwicklung im Vordergrund stehen. Es wird zu einem Ort, der bewusst aufgesucht wird, weil er genau diese Prozesse unterstützt.

Damit steigen auch die Anforderungen an die Gestaltung. Ein Büro entfaltet seine Wirkung dort, wo es Räume für kreative Zusammenarbeit bietet und Begegnungen zwischen unterschiedlichen Bereichen ermöglicht.

Gestaltung des Büros als entscheidender Faktor

Die Zukunft der Arbeit wird weder ausschließlich im Büro noch im Homeoffice stattfinden. Stattdessen etabliert sich eine hybride Arbeitswelt, in der unterschiedliche Orte unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Für die Innovationsfähigkeit von Organisationen bedeutet das, dass der Arbeitsort nicht als isolierter Hebel verstanden werden sollte. Entscheidend ist vielmehr, wie Arbeitsbedingungen gestaltet sind und wie gut Zusammenarbeit, Inspiration und Umsetzung unterstützt werden. Der Ort gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn er gezielt auf diese Anforderungen ausgerichtet ist.

Das Büro bleibt damit ein zentraler Bestandteil hybrider Arbeitswelten. Seine Wirkung entsteht jedoch nicht durch Präsenz allein, sondern durch seine gezielte Ausgestaltung als Ort für Zusammenarbeit, bereichsübergreifende Begegnung und gemeinsame Entwicklung. Räume für kreative Zusammenarbeit, Möglichkeiten für vertieften Austausch und eine Umgebung, die spontane Interaktion unterstützt, sind dabei zentrale Voraussetzungen.

Gleichzeitig entfaltet auch die Kombination unterschiedlicher Arbeitsorte ihre Wirkung erst dann, wenn sie bewusst gestaltet wird. Hybride Arbeitsmodelle wirken innovationsförderlich, wenn sie auf die Anforderungen von Zusammenarbeit, Kreativität und Umsetzung abgestimmt sind und unterschiedliche Arbeitsorte gezielt zusammenspielen.

Innovation wird dort wahrscheinlicher, wo Arbeitsumgebungen strategisch gestaltet sind und Zusammenarbeit qualitativ unterstützt wird.

Weitere Beiträge zum Thema auf unserem Blog:

Mit Paradoxien arbeiten: Wie systemrelevante Organisationen resilient bleiben von Prof. Dr. Caroline Ruiner, Universität Hohenheim

Die Zukunft der Arbeit: Eine Welt, in der Familie zählt von Birgit Wintermann und Dorothee Kubitza, Bertelsmann Stiftung

Arbeitsmarkt im Wandel: Was die Transformation für Innovation und Produktivität bedeutet von Dr. Thilo Kroeger, DIW Berlin