Zwei Menschen, die sich intensiv mit Kreislaufwirtschaft beschäftigen, treffen sich für einen Podcast: Birgit Wintermann von der Bertelsmann Stiftung und Dr. Wiebke Jander vom Umweltbundesamt. Man könnte denken: trocken, vorhersehbar, ein bisschen Fachsimpelei.

Ist es nicht.

Der Auslöser für das Gespräch: der Booksprint „Re:use – Re:think – Re:volution. Das Manifest für zirkuläres Wirtschaften“ – entstanden aus einem bundesweiten Netzwerk, in dem die Bertelsmann Stiftung Akteurinnen und Akteure rund um das Thema Circular Economy zusammenbringt.

Einer der Beiträge stammt von Dr. Wiebke Jander, Jan Kosmol und Kerstin Döscher aus dem Umweltbundesamt. Ihr Beitrag „Zirkuläres Wirtschaften auf Kurs bringen“ basiert auf einem über 100 Seiten starken Positionspapier – im Booksprint verdichtet auf wenigen Seiten. Und genau darüber sprechen Birgit und Wiebke im Podcast.

Kreislaufwirtschaft: Die vielleicht unterschätzteste Chance

Was im Gespräch schnell klar wird: Kreislaufwirtschaft ist mehr als gelber Sack, Pfandflasche und Recyclinghof.

Sie ist kein reines Umweltthema, sondern die konkrete Chance unabhängiger von Rohstoffen zu werden, Umweltbelastungen zu reduzieren, Lieferketten zu stabilisieren und Kosten langfristig zu senken. Oder auf den Punkt gebracht: Es geht nicht darum, weniger zu haben. Sondern mit dem, was wir haben, deutlich mehr zu erreichen.

Das stärkt die wirtschaftliche Stabilität, geopolitische Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit. Und so wird gerade in unsicheren Zeiten klar: Ressourcen klug zu nutzen ist nicht nur nachhaltig, sondern strategisch.

Die spannende Frage:
Wo setzen wir an, damit es wirklich etwas bringt?

Ein zentraler Gedanke aus dem Podcast: Nicht jede Maßnahme wirkt gleich stark. Oft schauen wir nur auf die Menge (Wie viel verbrauchen wir?). Genauso wichtig ist aber: Was davon richtet den größten Schaden an?

Daraus ergibt sich die wichtige Unterscheidung zwischen dem Rohstoff-Fußabdruck (wie viel wir nutzen) und dem Umwelt-Fußabdruck (welche Auswirkungen hat das). Die Konsequenz: Wir müssen anfangen, nicht nur weniger zu verbrauchen, sondern vor allem dort anzusetzen, wo die größte Wirkung entsteht.

Um genau das greifbar zu machen, nutzt der Booksprint-Beitrag das Bild einer Zielscheibe: Im Zentrum steht ein gutes Leben für alle innerhalb planetarer Grenzen. Dorthin führen verschiedene Strategien wie Close (Materialien im Kreislauf halten), Slow (Produkte länger nutzen), Narrow (weniger Ressourcen einsetzen) oder Secure (kritische Rohstoffe sichern). Sie helfen, die wirksamsten Hebel zu identifizieren. Wie zum Beispiel den, fossile Rohstoffe im Boden zu belassen – was meist ein größere Hebel ist, als sie später aufwendig zu recyceln.

Jetzt reinhören. Oder reinlesen.

Im Gespräch wird deutlich: Individuelles Verhalten allein reicht nicht. Die besten Entscheidungen helfen nur dann, wenn sie auch möglich sind: wenn der ÖPNV funktioniert, nachhaltige Optionen bezahlbar sind oder passende Angebote überhaupt existieren.

So kam der Anstieg pflanzenbasierter Ernährung beispielsweise nicht durch Verbote, sondern durch bessere Angebote. Und so entsteht Veränderung genau dort, wo das Richtige zur einfachen Option wird.

Kreislaufwirtschaft ist kein theoretisches Konzept, sondern ein Werkzeug, um Ressourcen klüger zu nutzen, Systeme robuster zu machen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Für die Politik. Für Unternehmen. Und für jeden Einzelnen.

Wenn Du tiefer einsteigen möchtest: Im Podcast und im Booksprint-Beitrag erfährst Du, welche Hebel wirklich entscheidend sind.

Und wenn Du Dich beruflich auch mit dem Thema Circular Economy beschäftigst und gern eigene Perspektiven einbringen möchtest: Das Netzwerk wächst weiter und freut sich über Menschen, die das Thema aktiv mitgestalten. Neue Perspektiven sind ausdrücklich willkommen.