Im unserer neuen Podcast-Folge interviewt Birgit Wintermann Eckhard Störmer, den Studienleiter der Studie „Kreislaufwirtschafts-Stratgegien der EU und Deutschlands im Vergleich – Zukunftsperspektiven für eine Transformation der Wirtschaft“. Warum ist Circular Economy mehr als Umweltpolitik? Und was muss passieren, damit Deutschland wettbewerbsfähig und resilient bleibt? Ihr wollt es wissen? Dann hört schnell rein.

Sonne in Gütersloh. Schnee bei Eckhard Störmer. Während das Wetter an diesem Februartag unterschiedlicher kaum sein könnte, ist es eines klar: Deutschland steckt in einer Phase des Umbruchs: wirtschaftlich, geopolitisch und klimapolitisch.

Im Podcast zur gemeinsamen Studie von Bertelsmann Stiftung und Future Impacts spricht Birgit Wintermann mit Eckhard Störmer darüber, was Circular Economy in dieser Lage leisten kann und warum Deutschland jetzt strategisch handeln muss.

Circular Economy ist kein Umweltthema. Sie ist Wirtschaftspolitik.

Die zentrale Botschaft der Studie bringt Eckhard Störmer früh im Gespräch auf den Punkt:
Deutschland muss Kreislaufwirtschaft integrativer und strategischer angehen, wenn sie wirklich zum Motor für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Resilienz werden soll.

Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) weist grundsätzlich in die richtige Richtung. Doch im Detail verliert sie sich zu stark in Einzelmaßnahmen. Während die Europäische Union Kreislaufwirtschaft als Top-Priorität vorantreibt, wirkt der deutsche Ansatz weniger verbindlich, weniger integriert.

Rohstoffabhängigkeit: Die unterschätzte Achillesferse

Deutschland ist abhängig von Rohstoffimporten. Der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie schnell Energieabhängigkeit zu einem Risiko wird. Bei viele kritischen Rohstoffen liegt die Importquote – insbesondere aus China – bei bis zu 90 Prozent. Auch die Corona-Pandemie machte deutlich, wie verwundbar Lieferketten sind.

Kreislaufwirtschaft setzt genau hier an. Produkte reparieren, statt zu ersetzen. Materialien wiederverwenden. Rohstoffe zurückgewinnen. Das reduziert Abhängigkeiten und stärkt die Autonomie. Kreislaufwirtschaft ist also längst nicht mehr nur eine ökologische Frage. Sondern die Frage: Wie unabhängig und wettbewerbsfähig wollen wir künftig sein?

Warum Freiwilligkeit allein nicht reicht

Viele Unternehmen engagieren sich bereits. So gibt es zum Beispiel in der Textilindustrie zahlreiche Produkte mit Recycling-Anteil. Gleichzeitig existiert aber auch die Ultra-Fast-Fashion. Billig produziert, kaum recycelbar und auf schnelle Entsorgung ausgelegt.

Das Problem: Kreislauffähige Produkte sind oft noch nicht in der Masse wettbewerbsfähig. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen bleibt ein Investieren für die Unternehmen riskant. Die Studie plädiert deshalb für sogenannte Leitmärkte. Geschützte Marktsegmente mit klaren Standards und verlässlicher Nachfrage. Die EU setzt hier deutlich konsequenter an als Deutschland.

Verpassen wir Chancen?

Die Studie macht deutlich: Es geht um verpasste Potenziale. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland erheblich steigern, die Treibhausgasmissionen senken und Schadenskosten reduzieren. Sie kann neue grüne Jobs schaffen, Sharing-Modelle für mehr Teilhabe ermöglichen, Innovation antreiben und unsere wirtschaftliche Stärke sichern. Und jeder kann dazu beitragen: Unternehmen, Politik, Bürgerinnen und Bürger. Doch aktuell droht ein „Weiter so“.

Können wir das Ruder dennoch herumreißen? Die Antwort im Podcast ist optimistisch: Ja, wir können. Aber nur, wenn die Politik integrierter arbeitet, wir Leitmärkte aufbauen und große Industrieunternehmen, Start-ups und nicht zuletzt wir alle gemeinsam vorangehen. Was fehlt, ist die konsequente Priorisierung. Und dabei ist entscheidend: Wir brauchen positive Leitbilder. Eine Vorstellung davon, wohin wir wollen.

2030 mag ambitioniert sein.
Aber ambitionierte Ziele sind nicht das Problem.
Nicht zu handeln wäre es.