Eine Geschäftsidee kennt keine Landesgrenzen. Wer daraus ein Unternehmen aufbauen und in mehreren europäischen Ländern wachsen will, trifft jedoch auf unterschiedliche Regeln und aufwendige Verfahren. Genau hier setzt EU Inc. an: Der Vorschlag der Europäischen Kommission soll Unternehmen einen gemeinsamen gesellschaftsrechtlichen Rahmen für Gründung und Wachstum in Europa bieten.

Wie viel Zeit solche Hürden kosten, zeigt das „Auf den Punkt“ von Julia Scheerer und Claudia-Dominique Geiser: Junge Unternehmen in Deutschland verbringen im Schnitt rund neun Stunden pro Woche mit gesetzlich vorgeschriebenen Verwaltungspflichten. 44 Prozent geben an, dadurch weniger Zeit für Innovation und Forschung zu haben. Für ein kleines Team ist das Zeit, die bei der Produktentwicklung oder der Suche nach Kundinnen und Kunden fehlt.

Was EU Inc. verspricht

Nach dem Vorschlag soll eine Unternehmensgründung mit standardisierten Vorlagen vollständig online und im beschleunigten Verfahren innerhalb von 48 Stunden möglich sein. Die Verwaltungskosten sollen höchstens 100 Euro betragen; ein vorgeschriebenes Mindestkapital ist nicht vorgesehen. Unternehmensdaten sollen zudem nur einmal an ein Register übermittelt und von dort an weitere Behörden weitergegeben werden. Noch sind das geplante Regeln, keine bereits nutzbaren Verfahren.

Der größere Gewinn könnte nach der Gründung entstehen. Ein gemeinsamer Rahmen würde es Startups erleichtern, in anderen EU-Ländern tätig zu werden und Investitionen über Grenzen hinweg einzuwerben. Digitale Anteilsübertragungen und flexiblere Regeln für Finanzierungsrunden könnten dabei helfen. Auch gemeinsame Regeln für Mitarbeiterbeteiligungen könnten junge Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützen.

Die Bewährungsprobe liegt im Detail

Eine schnelle Online-Gründung allein macht aus Europa noch keinen einheitlichen Gründungsraum. Der Kommissionsvorschlag verweist an vielen Stellen weiterhin auf nationales Recht. Für Unternehmen könnten dadurch je nach Stammsitzland unterschiedliche Anforderungen bestehen bleiben. Wir weisen außerdem auf eine offene Frage hin: Wie lässt sich verhindern, dass die neue Form zur Umgehung von Mitbestimmungsrechten genutzt wird?

Für Deutschland kommt eine praktische Aufgabe hinzu. Damit digitale Gründungen tatsächlich schnell funktionieren, müssen Register und Behörden die Verfahren zuverlässig umsetzen. Auch der Zugang zu Kapital, die Gewinnung von Fachkräften und der Abbau weiterer Verwaltungslasten bleiben wichtig.

EU Inc. ist damit eine Chance, deren Nutzen sich erst in der Umsetzung entscheidet. Wenn die europäischen Regeln nationale Unterschiede spürbar verringern und Beschäftigtenrechte wirksam sichern, könnten Gründerinnen und Gründer mehr Zeit für ihre Ideen gewinnen – und Unternehmen leichter über den eigenen Heimatmarkt hinauswachsen.

KI unterstützt entstanden.

Grundlage: Julia Scheerer und Claudia-Dominique Geiser, „EU Inc. – einfache Unternehmensgründungen europaweit? Chancen, Fragen, nächste Schritte“, Bertelsmann Stiftung, „Auf den Punkt“ Nr. 08/2026.