Wie wichtig der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen aus eigenen und anderen Branchen für Kreislaufwirtschaft ist, hörten der Verband Klimaschutz-Unternehmen und das Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (upp) der Universität Kassel im Laufe ihres DBU-geförderten Kooperationsprojekts „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell“ immer wieder. 18 Monate untersuchten sie bis Ende Februar 2026 mit 13 unterschiedlich großen Unternehmen aus verschiedenen Branchen Herausforderungen bei der Transformation von linearen zu zirkulären Geschäftsmodellen. Zehn der Projektunternehmen sind Klimaschutz-Unternehmen. So wie der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann und der Oberflächenverzinker ZINQ. Mit diesen beiden Mitgliedern und dem Textilreinigungsbetrieb Schäfer Mietwäsche sahen sich die Partner besonders die für Kreislaufwirtschaft zentralen Branchen Kunststoffe, Metalle und Textilien an.

Zielkonflikte zwischen Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz

Ausgangspunkt für das Projekt waren Probleme, vor denen Unternehmen bei der Umsetzung von Kreislaufwirtschaft im eigenen Betrieb stehen. Denn auch wenn sich alle einig sind, dass Kreislaufwirtschaft Ressourcen schont und Klimaschutz fördert, kommt es zu Zielkonflikten. Beispielsweise wenn Betriebe versuchen, ihre alten Produkte oder einzelne Komponenten nach dem Lebensende zurückzunehmen, sie wieder aufzubereiten und als Sekundärprodukte zu nutzen. Denn das bedeutet für sie nicht nur mehr Aufwand und Kosten, sondern auch höhere Treibhausgasemissionen in ihren Bilanzen. Und das, obwohl sie mit solchen Maßnahmen insgesamt das Klima schonen.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Transformation?

Wie weit die teilnehmenden Unternehmen Kreislaufwirtschaft bereits umgesetzt haben, welche Zielkonflikte und Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze sie sehen, erfassten die Partner 2025 in einer Umfrage. Befragt nach den R-Strategien antworteten die Projektunternehmen, dass sie sich aktuell vor allem auf Recycling fokussieren. Fast alle sehen hier noch mehr Potenzial und teilen die Überzeugung, dass es bei Kreislaufwirtschaft nicht um eine neue Form der Abfallwirtschaft geht. Produkte dürfen nicht als Abfall enden, sondern müssen als Rohstoff begriffen werden. Unternehmen sollten deshalb nicht nur über Recycling nachdenken, sondern schon früher ansetzen im Kreislauf von Produkten: bei der Entwicklung und dem Design; bei der Auswahl von Materialien und deren Beschaffung sowie der Reduzierung bzw. Nichtnutzung von Rohstoffen.

Wenn sie bislang nicht mehr R-Strategien nutzen als Recycling, liegt das bei den Projektunternehmen primär an fehlenden Ideen oder personellen Ressourcen. Ein Drittel arbeitet bereits mit Reparaturmodellen. Potenzial sehen sie außerdem bei „Reducing“; also darin, Materialien so effizient einzusetzen, dass weniger Material benötigt wird. Weiteres Potenzial steckt für sie in Reuse, Refurbish oder Remanufacture, um so die Lebensdauer von Produkten zu verlängern. Mit Circular Design werden Produkte langlebig, leicht reparierbar oder wieder- bzw. weiterverwertbar und Materialien bleiben im Kreislauf.

Wenn es um die Transformation ihrer Geschäftsmodell geht, sind Sekundärrohstoffe für die Projektunternehmen die größte Herausforderung: Mehr als die Hälfte nutzt nicht mehr, weil kein Sekundärmaterial verfügbar ist, zwei Drittel verzichten wegen Qualitätsanforderungen an Produkte darauf.

Welche R-Strategien wenden die Projektunternehmen an oder wo sehen sie Potenzial?
Quelle: Universität Kassel, Fachgebiet upp

Wie gelingt die Transformation?

Auf Basis der in der Umfrage benannten Herausforderungen sowie Lösungsansätzen und Erkenntnissen aus der Zusammenarbeit erarbeiteten die Partner mit den Projektunternehmen Handlungsempfehlungen für kreislaufwirtschaftsunerfahrene Betriebe, die ihre Geschäftsmodelle transformieren wollen: Zentral für zirkuläres Wirtschaften ist, dass Betriebe innerhalb ihrer eigenen und mit anderen Branchen zusammenarbeiten. Sie sollten sich austauschen, um von Erfahrungen zu lernen und gemeinsam neue Geschäftsmodelle sowie Konzepte zu entwickeln. Aus Sicht der Projektunternehmen gehört Kreislaufwirtschaft deshalb in die Unternehmensstrategie und es lohnt sich, im eigenen Betrieb Know-how und Personal aufzubauen. In die Transformation sollten alle betroffenen Bereiche eingebunden werden von Geschäftsführung über Entwicklung, Design, Einkauf und Vertrieb bis zur Kommunikation.

Wenn sich lineare Geschäftsmodelle nicht beim ersten Versuch auf zirkuläre umstellen lassen, weil Ressourcen fehlen oder Unternehmen nicht die richtigen Partner finden, sollten sie Konzepte und Ideen nicht verwerfen. Wichtig ist jetzt anzufangen, Pilotprojekte zu starten und Erfahrungen zu sammeln. Haben Piloten intern und extern gezeigt, dass zirkuläre Produkte funktionieren und angenommen werden, muss aus Ideen Praxis werden. Denn damit Kreislaufwirtschaft skalierbar wird, braucht es Serienprodukte. Dafür müssen Unternehmen ihren Kundenstamm informieren und überzeugen. Zum Beispiel lassen sich mit Produkten aus Sekundärmaterial Primärrohstoffe einsparen und Ressourcen schützen. Außerdem heißt das weniger Abfall und je nach Material auch weniger Treibhausgasemissionen.

Für Unternehmen, die über Transformation nachdenken und „ausprobieren“ wollen, entwickelte das Projekt außerdem eine digitale Entscheidungshilfe. Auch hierfür nutzten die Partner Erkenntnisse aus der Umfrage, Empfehlungen und Best Practices der Projektunternehmen. Zusammen mit dem Kasseler Start-up be2morrow entwickelten sie ein Tool für Betriebe auf der Suche nach Ideen für die Transformation zu zirkulären Geschäftsmodellen. Die erste Version des bis auf weiteren kostenlosen Tools richtet sich an Unternehmen, die mit Kunststoffen, Textilien oder Zink arbeiten. Unter https://www.be2morrow.de/recycle_calculations können sie Informationen zu ihrem Unternehmen und R-Strategien wie Reparatur, Wiederverwendung oder Recycling eingeben. Dann bekommen sie vom Tool mögliche Maßnahmen angezeigt, die es nach Treibhausgasemissionen, Rezyklateinsatz, Kosten sowie Human‑ und Ökotoxizität bewertet. Als Ergebnis sehen Unternehmen, was die Maßnahmen für Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz bringen oder wo sie zu Zielkonflikten führen könnten.

Nicht zuletzt braucht es für den Erfolg von zirkulären Geschäftsmodellen auch ein verlässliches politisches Rahmenwerk und besseren Austausch zwischen allen Akteuren, beispielsweise durch den Digitalen Produktpass. Unerlässlich für Kreislaufwirtschaft sind für die beteiligten Unternehmen und die Projektpartner: branchenübergreifendes Denken und eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Unternehmen.

Mehr zum Projekt unter https://www.klimaschutz-unternehmen.de/projekte/detail/wege-zum-zirkulaeren-geschaeftsmodell