Die Wirtschaft in Europa soll klimaneutraler, digitaler und resilienter werden. Doch dazu reicht nicht technischer Fortschritt allein. Die Wirtschaft der Zukunft kann nur dann langfristig nachhaltig sein, wenn Innovation, Teilhabe und Verantwortung zusammengedacht werden.

Europa steckt mitten in einer mehrfachen Transformation. Denn die Wirtschaft soll klimaneutraler, digitaler und resilienter werden. Gleichzeitig wachsen gesellschaftliche Spannungen, Unsicherheit und das Gefühl, dass die großen Veränderungen nicht allen zugutekommen. Die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit wird hierzulande aktuell oft eng geführt: mehr Tempo, mehr Investitionen, mehr Innovation. Das alles ist nicht falsch, aber es reicht nicht aus. Die Wirtschaft der Zukunft wird nicht allein durch neue Technologien entstehen, sondern muss sich auch durch neue Formen von Wertschöpfung, Teilhabe und Verantwortung auszeichnen.

Junge Changemaker erkennen die blinden Flecken

Der Future Economy Report zeigt die Vielfalt der Perspektiven junger Changemaker aus ganz Europa auf. Doch mit Blick auf die nächsten 10 bis 15 Jahre äußern diese überwiegend verhaltene Erwartungen hinsichtlich der europäischen Wirtschaft. Fast die Hälfte schätzt die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung als eher schlecht (37,2%) oder sehr schlecht (10,3%) ein, während 39,1% davon ausgehen, dass sie eher gut (31,4%) oder sehr gut (7,7%) ausfallen wird.

In einer Reihe unterschiedlicher Szenarien äußern die Changemaker überwiegend vorsichtige Erwartungen. Besonders ausgeprägt sind die Bedenken hinsichtlich der Inflationsstabilität: Knapp die Hälfte halten Szenarien, die eher in Richtung Hyperinflation gehen, für wahrscheinlich, während rund ein Drittel eine stabile und niedrige Inflation erwarten. Ähnlich pessimistisch sind die Erwartungen in Bezug auf KI und Beschäftigung: 53,2% rechnen eher mit Arbeitsplatzverlusten als mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze, während 34,6% eine optimistische Sichtweise vertreten.

Nicht die Ideen fehlen, sondern die Strukturen

Auf die Frage, wie sie sich die europäische Wirtschaft im Jahr 2040 vorstellen und in welchen Bereichen sie die positivsten Entwicklungen erwarten, nannten die Befragten am häufigsten die Bereiche Nachhaltigkeit (52,1%), alternative Messgrößen für wirtschaftlichen Erfolg jenseits des BIP (46,6%) sowie eine gestärkte Solidarität und Inklusion (41,8%).

Dabei geht es jungen Changemakern konkret um bessere Marktbedingungen, fairere Wettbewerbsregeln, verlässliche Standards, neue Eigentumsmodellen sowie eine bessere Finanzierung für wirkungsorientierte Unternehmen und Kooperationen. Der Engpass liegt demnach in Finanzierungslogiken, die kurzfristige Rendite systematisch höher bewerten als langfristige Wirkung, in Förderstrukturen, die sektorübergreifende Lösungen erschweren, und einen Ordnungsrahmen, der die Folgekosten nicht nachhaltigen Wirtschaftens noch immer zu oft ausblendet.

Junge Changemaker wollen sich einzubringen, doch geben 55,8% an, dass der Mangel an geeigneten finanziellen Mitteln ihre größte Hürde darstellt. Zudem besteht bei 31,7% ein hohes Burnout-Risiko aufgrund der vielen Aufgaben, die sie gleichzeitig bewältigen müssen.

Fortschritt braucht eine gemeinsame Richtung

Deutschland diskutiert intensiv über die Kosten des Wandels. Zwar ist das verständlich, wir sollten aber auch stärker über seinen Ertrag sprechen: eine robustere Wirtschaft, weniger Ressourcenabhängigkeit, mehr gesellschaftliche Teilhabe, neue Märkte und mehr unternehmerische Lösungen für reale Probleme. Viele der Befragte sprachen mehrere Themen gleichzeitig an und sind der Ansicht, dass die künftige Wirtschaft Europas einen systemischen Wandel erfordert.

Doch was braucht es aus ihrer Sicht für eine zukunftsfähige Wirtschaft? Ihre Zukunftsbilder unterscheiden sich zwar im Detail, haben aber einen gemeinsamen Kern: eine Wirtschaft, die digital und grün ist, ökologische Grenzen respektiert, zirkulär organisiert ist und Wirkung nicht als Nebeneffekt, sondern als Maßstab versteht. In ihrer Vision für 2040 wird etwa die Kreislaufwirtschaft zum Standard und höhere soziale und ökologische Mindeststandards selbstverständlich.

Eine zukunftsfähige Wirtschaft sollte demnach nicht nur effizienter, sondern auch gerechter, resilienter und sinnstiftender sein. Für den Zukunftsstandort Deutschland ist das keine idealistische Randnotiz, sondern ein strategischer Hinweis: Wer morgen wettbewerbsfähig sein will, muss heute die Weichen so stellen, dass Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Nutzen zusammenfinden. Und das gelingt nur über eine gemeinsam gestaltete Transformation.