Wenn in Deutschland die Gaspreise stark steigen, wird in der wirtschaftspolitischen Diskussion schnell der Ruf laut, heimisches Gas aus so genannten unkonventionellen Lagerstätten zu fördern – so wie aktuell auch die Berater:innen von Wirtschaftsministerin Reiche (vgl. Tagesschau 2026). Das würde den Einsatz des Frackings erfordern. Unabhängig von den Fragen möglicher Umweltbelastungen erscheint uns diese Option jedoch aus rein ökonomischen Erwägungen keine sinnvolle Handlungsalternative zu sein. Besser ist es stattdessen, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu forcieren.

Was ist Fracking?

Fracking wird bei der Erdgasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten eingesetzt.

  • Bei den so genannten konventionellen Erdgasvorkommen hat sich das Gas bereits in durchlässigen Speichersteinen gesammelt. In diesem Fall ist lediglich eine Bohrung zu dieser Lagerstätte erforderlich. Von dort gelangt das Gas ohne weitere technische Hilfen durch ein Rohr an die Oberfläche.
  • Im Falle einer unkonventionellen Lagerstätte ist das Gas hingegen im Gestein enthalten und muss diesem entweichen. Da es sich bei den gashaltigen Gesteinen meistens um Schiefergestein handelt, wird dieses Gas auch Schiefergas genannt (vgl. Gierds et al. 2023: 4).

Der Begriff Fracking leitet sich aus dem englischen Wort „to fracture“ ab, was so viel wie aufbrechen bzw. spalten bedeutet. Beim Fracking werden Flüssigkeiten unter einem hohen Druck mehrere hundert oder auch tausend Meter tief in den Boden gepumpt. Diese Flüssigkeit – zum allergrößten Teil Wasser, das jedoch mit weiteren Mitteln versetzt ist – wird als „Fracking-Fluid“ bzw. „Frac-Fluid“ bezeichnet.

Dadurch kommt es zu Rissen in den gashaltigen Gesteinsschichten. Die dem Wasser beigefügten Mittel halten diese Risse, die “Fracs” genannt werden, offen. Durch sie entweicht das in dem Gestein enthaltene Gas, das dann über Rohre an die Erdoberfläche gelangt.

Schiefergasvorkommen in Deutschland

Über die Höhe des in Deutschland verfügbare Schiefergasvolumens gibt es unterschiedliche Schätzungen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beziffert in einer 2016 veröffentlichten Studie das technisch förderbare Schiefergasvolumen in einer Tiefe zwischen 500 und 5.000 Metern auf 380 bis 2.340 Milliarden Kubikmeter (vgl. BGR 2016: 86).

Der jährliche Erdgasverbrauch Deutschlands lag im Durchschnitt der Jahre von 2014 bis 2023 bei rund 83 Milliarden Kubikmeter. Der höchste Schätzwert der BGR-Studie von 2.340 Milliarden Kubikmetern könnte also rechnerisch den Erdgasbedarf von rund 28 Jahren decken, sofern der jährliche Bedarf in Deutschland auf dem durchschnittlichen Niveau der Jahre 2014 bis 2023 verharrt (vgl. Petersen und Hellbusch 2025: 60 f.).

Bezüglich der tatsächlichen Nutzung der geschätzten deutschen Schiefergasvorkommen gibt es jedoch Einschränkungen. Teile dieser Vorräte liegen beispielsweise in Naturschutzgebieten oder unter Städten und sind daher nicht förderbar. Hinzu kommt, dass es technische Restriktionen bezüglich der jährlich maximal förderbaren Mengen gibt. Fachleute schätzen, dass Deutschland pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Kubikmeter fördern könnte (vgl. Gierds et al. 2023: 5). Bezogen auf den durchschnittlichen Jahresverbrauch der Jahre 2014 bis 2023 sind das rund sechs bis 12 Prozent des jährlichen Erdgasverbrauchs.

Umweltbelastungen des Frackings

Eine zweite Hürde für die Förderung des deutschen Schiefergases sind die damit verbundenen Umweltgefahren.

Die größte Belastung besteht aus dem erforderlichen Wasserverbrauch. Über die genaue Höhe der Wassermenge, die für eine Bohrung erforderlich ist, herrscht kein Konsens. Unabhängig von dieser Unsicherheit ist jedoch davon auszugehen, dass es wegen der zahlreichen erforderlichen Bohrungen zu einem erhöhten Wasserverbrauch durch das Fracking kommen würde. Hinzu kommt, dass diese Bohrungen regional konzentriert erfolgen würden. Daher ist eine regionale Verschärfung von Wasserknappheiten bei Trockenheit und Dürren durch das Fracking nicht auszuschließen (vgl. Umweltbundesamt 2022: 6 sowie die dort angegebene Literatur).

Weitere Gefahren sind eine Verschlechterung der Wasserqualität, die Freisetzung von klimaschädlichen Methanemissionen und das Auslösen von Erdbeben. Auch wenn derartige Schädigungen im Rahmen des Frackings nicht ausgeschlossen werden können, wird das Risiko von Expert:innen nicht höher eingestuft als bei der konventionellen Erdgasförderung (vgl. Gierds et al. 2023: 7–9, Umweltbundesamt 2022: 6 f. sowie die dort angegebene Literatur).

Insgesamt kommen die meisten für Deutschland vorliegenden Untersuchungen zu der Einschätzung, dass Umweltrisiken nicht gegen den Einsatz des Frackings sprechen.

  • Die BGR kam 2016 zu folgender Einschätzung: „Aus geowissenschaftlicher Sicht kann daher grundsätzlich, unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen und der erforderlichen technischen Standards, der Einsatz der Fracking-Technologie kontrolliert und sicher erfolgen“ (BGR 2016: 175).
  • Die Expertenkommission Fracking gab 2021 drei Studien zu den Umweltrisiken des Frackings in Auftrag und kam darauf basierend zu folgendem Ergebnis: „Die Studien zeigen, dass sich die Umweltrisiken aufgrund von Fracking unkonventioneller Lagerstätten durch eine angepasste Steuerung und Überwachung der Maßnahmen minimieren lassen“ (Expertenkommission Fracking 2021: 3). Voraussetzung dafür ist der Einsatz der modernsten Techniken und Materialien.
  • Eine gemeinsame Publikation der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaft und acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, aus dem Jahr 2023 kam zu dem Schluss: „Durch Fracking induzierte Umweltrisiken, die oft als Argument gegen Fracking genannt werden, sind laut Fachleuten sehr gering – wenn auch nicht ausgeschlossen“ (Gierds et al. 2023: 15).

Produktionskosten des Frackings in Deutschland

In den USA werden fast 80 Prozent des geförderten Erdgases mithilfe des Frackings aus unkonventionellen Lagerstätten gewonnen (vgl. Expertenkommission Fracking 2021: 8). Da diese Form der Erdgasförderung in den USA bereits seit geraumer Zeit eingesetzt wird, hatten die USA allein bis 2020 rund zwei Millionen entsprechende Bohrungen durchgeführt (vgl. Gierds et al. 2023: 7). Die damit verbundenen Skalen- und Lerneffekte haben zur Folge, dass die Kosten des Frackings in den USA relativ niedrig sind.

Deutschland verfügt nicht über eine vollentwickelte Fracking-Industrie. Skalen- und Lerneffekte liegen daher ebenfalls nicht vor. Die Fracking-Kosten werden deshalb, zumindest in den ersten Jahren, in Deutschland spürbar höher sein als in den USA. Ob ein durch Fracking gefördertes Erdgas daher preislich wettbewerbsfähig ist, gilt als äußerst fraglich. Nur wenn die Förderkosten im unteren Bereich der vorliegenden Schätzungen liegen und gleichzeitig nur geringe Kosten für erforderliche Umweltschutzauflagen anfallen, wäre dieses Fracking-Gas preiswerter als importiertes Flüssiggas (vgl. Gierds et al. 2023: 13–15).

Bezüglich der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Förderung von Gas aus unkonventionellen Lagerstäten sind zudem zwei zeitliche Aspekte zu berücksichtigen:

  • Der Einsatz der Fracking-Technologie in Deutschland wäre mit erheblichen Vorlaufzeiten verbunden. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die erforderlichen gesetzlichen Anpassungen nehmen Zeit in Anspruch. Als realistisch werden fünf bis neun Jahre angegeben, die vergehen, bis Fracking-Bohrungen in der Produktion eingesetzt werden können. Falls die Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich verkürzt werden könnten, ließe sich diese Vorlaufzeit auf drei bis vier Jahre verkürzen (vgl. Gierds et al. 2023: 12 f.). Angesichts dieser Vorlaufszeiten dürfte ein Fracking-Einsatz in Deutschland also frühestens 2030 möglich sein.
  • Neben diesem Startpunkt ist auch der Endpunkt eines Fracking-Einsatzes in Deutschland zu berücksichtigen. Mit dem Ziel der Klimaneutralität ist der Verbrauch fossiler Energieträger nach der aktuell gültigen Gesetzeslage über 2045 nicht mehr zulässig bzw. nur noch in minimalem Umfang.

Angesichts dieser zeitlichen Restriktionen kann eine erst noch aufzubauende Fracking-Infrastruktur in Deutschland also nur über einen Zeitraum von rund 15 Jahren genutzt werden. Wegen der hohen Erschließungskosten lohnt sich das Fracking in unkonventionellen Lagerstätten jedoch in der Regel nur, wenn diese Anlagen 20 bis 30 Jahre betrieben werden (vgl. Expertenkommission Fracking 2021: 9). Bei einer deutlich kürzeren Nutzungszeit müssen die getätigten Investitionen über einen kürzeren Zeitraum abgeschrieben werden. Das führt zu höheren jährlichen Abschreibungen und damit höheren Produktionskosten.

Unter Berücksichtigung dieser Kostenaspekte dürfte ein Fracking in Deutschland ökonomisch betrachtet keine sinnvolle Alternative sein. So kommt auch das Umweltbundesamt zu der Einschätzung, dass eine „wirtschaftliche Förderung von Schiefergas in Deutschland … über realistische Planungs-, Genehmigungs- und Förderzeiträume … weiterhin nicht gegeben“ ist (Umweltbundesamt 2022: 4).

Fazit und Ausblick

Auch wenn die in Deutschland vermuteten Schiefergasvorkommen gerade in Zeiten hoher Erdgaspreise auf den ersten Blick als eine attraktive Alternative angesehen werden könnten, ist die Schiefergasförderung bei genauerer Betrachtung keine wirtschaftlich sinnvolle Handlungsalternative.

Hohe Anfangskosten und eine relativ kurze Nutzungszeit der erforderlichen Infrastruktur führen zumindest in den ersten Jahren zu hohen Produktionskosten. Zeitintensive Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie notwendige gesetzliche Anpassungen sorgen zudem dafür, dass ein Fracking frühestens zu Beginn der 2030er Jahre beginnen könnte.

Anstatt knappe Ressourcen für den Aufbau einer Fracking-Infrastruktur zu nutzen, erscheint es uns sinnvoller, diese Ressourcen im Ausbau der erneuerbaren Energien einzusetzen. Langfristig ist dies die günstigste Energie, weil bei ihr weder Kosten für den Erwerb von Brennstoffen anfallen noch Ausgaben für den Erwerb von Emissionszertifikaten im Rahmen des europäischen Emissionshandels (vgl. Bertelsmann Stiftung 2026). Außerdem könnte Deutschland so seine Importabhängigkeit von fossiler Energie abbauen, was die Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen die Gefahr der politischen Erpressbarkeit reduziert (vgl. Petersen und Hellbusch 2025).

Literatur

Bertelsmann Stiftung (2026): Heating Up Inequality? Socio-spatial impacts of ETS2 on European housing and cohesion.

BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) (2016): Schieferöl und Schiefergas in Deutschland- Potenziale und Umweltaspekte. Hannover.

Expertenkommission Fracking (2021): Bericht Expertenkommission Fracking 2021. Jülich.

Gierds, Jörn, Cyril Stephanos, Berit Erlach, Manfred Fischedick, Hans-Martin Henning, Ellen Matthies, Karen Pittel, Jürgen Renn, Dirk Uwe Sauer, Indra Spiecker (2023): Fracking: eine Option für Deutschland? Chancen, Risiken und Ungewissheiten beim Fracking in nichtkonventionellen Lagerstätten (Impuls). München, Halle (Saale) und Mainz.

Petersen, Thieß, und Sven Hellbusch (2025): „Industriestrompreise in Deutschland – Reformoptionen für wettbewerbsfähige Strompreise“. Focus Paper # 27 Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft. Gütersloh.

Tagesschau (2026): Wirtschaftliche Folgen des Iran-Kriegs: Reiche-Berater bringen heimisches Fracking ins Spiel. 13.03.2026

Umweltbundesamt (2022): Fracking zur Schiefergasförderung in Deutschland – Eine energie- und umweltfachliche Einschätzung. Dessau-Roßlau.

Hinweis: Die Ausführungen dieses Beitrags basieren auf dem 2025 veröffentlichten Focus Paper „Industriestrompreise in Deutschland – Reformoptionen für wettbewerbsfähige Strompreise“.