Nachhaltigkeit bleibt für viele Unternehmen ein strategisch wichtiges Thema, doch die Dynamik der Transformation hat spürbar nachgelassen. Das zeigt der Sustainability Transformation Monitor 2026 (STM26), den die Bertelsmann Stiftung am 26.02.2026 im vierten Jahr in Folge gemeinsam mit der Stiftung Mercator, der Universität Hamburg und der Peer School for Sustainable Development veröffentlicht hat. Die Studie basiert auf einer Befragung von 822 Unternehmen aus Real- und Finanzwirtschaft in Deutschland und liefert ein differenziertes Bild des aktuellen Stands der Nachhaltigkeitstransformation.
Das zentrale Ergebnis: Nachhaltigkeit ist weiterhin auf höchster Ebene in den Unternehmen verankert. In 73 Prozent der Unternehmen liegt die Verantwortung für Nachhaltigkeit weiterhin bei Vorstand oder Geschäftsführung. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine deutliche Verschiebung in der Priorisierung. Während Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren noch zunehmend an Bedeutung gewann, berichten mittlerweile 59 Prozent der Unternehmen, dass aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten dazu führen, dass das Thema intern an Priorität verliert. Im Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei lediglich 14 Prozent.
Warum die Transformation an Dynamik verliert
Die Ergebnisse des STM26 verdeutlichen, dass Unternehmen die Transformation nicht grundsätzlich infrage stellen, jedoch zunehmend auf strukturelle Hindernisse stoßen. Besonders häufig nennen sie unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen sowie fehlende wirtschaftliche Anreize als zentrale Bremsfaktoren. So berichten rund 70 Prozent der Unternehmen, dass mangelnde wirtschaftliche Anreize ihre Nachhaltigkeitstransformation ausbremsen. Zwar erkennen viele Unternehmen durchaus einen finanziellen Mehrwert nachhaltiger Geschäftsmodelle. Doch dieser fällt bislang häufig geringer aus als die damit verbundenen Kosten. Einen klaren und überzeugenden „Business Case“ für Nachhaltigkeit sehen derzeit lediglich 17 Prozent der Unternehmen.
Auch die Rolle der Politik hat sich aus Unternehmenssicht verändert. Während politische Impulse in den vergangenen Jahren noch als wichtiger Treiber der Transformation wahrgenommen wurden, ist ihre Bedeutung deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig werden politische Unsicherheiten zunehmend als Hindernis wahrgenommen. Für viele Unternehmen entsteht dadurch eine Situation, in der langfristige Investitionsentscheidungen schwieriger werden.

Klimaziele bleiben bestehen
Trotz dieser Entwicklungen zeigt die Studie auch positive Trends. Nachhaltigkeit verschwindet keineswegs aus der Unternehmensagenda. Im Gegenteil: Viele Unternehmen arbeiten weiterhin daran, ihre Emissionen zu messen und Klimaziele zu formulieren. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Treibhausgasemissionen erfassen, ist auf 86 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wächst auch der Anteil der Unternehmen mit eigenen Klimazielen weiter. In der Realwirtschaft liegt dieser inzwischen bei 59 Prozent, während er im Bankensektor sogar auf 65 Prozent gestiegen ist.
Allerdings zeigt sich auch hier eine Herausforderung: Viele Unternehmen haben zwar Ziele formuliert, verfügen aber noch nicht über konkrete Transformationspläne. 41 Prozent der Unternehmen mit Klimazielen geben an, dass ihre Transitionsstrategie noch in Planung ist. Damit wird deutlich, dass zwischen Zielsetzung und Umsetzung weiterhin eine Lücke besteht.
Nachhaltigkeit in der Finanzierung: Potenzial bleibt ungenutzt
Ein weiteres wichtiges Ergebnis des STM26 betrifft die Rolle von Nachhaltigkeit in der Unternehmensfinanzierung. Zwar sind Nachhaltigkeitsdaten heute in vielen Unternehmen verfügbar, doch ihre tatsächliche Wirkung auf Finanzierungsentscheidungen bleibt begrenzt. Nur 30 Prozent der Unternehmen und 37 Prozent der Banken bewerten Nachhaltigkeit aktuell als wichtigen Faktor in Finanzierungsgesprächen – ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig ist. Gleichzeitig erwarten viele Akteure, dass Nachhaltigkeitsaspekte künftig stärker in Finanzierungsentscheidungen einfließen werden.
Damit nachhaltige Transformation tatsächlich voranschreitet, müssen Nachhaltigkeitsdaten stärker in Investitions- und Kreditentscheidungen integriert werden. Erst wenn ökologische und soziale Faktoren systematisch in Risikoanalysen und Finanzierungskonditionen einfließen, können sie spürbare Transformationsanreize schaffen.
Austausch über Lösungen bei der Publikationsveranstaltung in Berlin
Die Veröffentlichung des STM26 wurde von einer großen Publikationsveranstaltung in Berlin begleitet. Rund 150 Vertreter:innen aus Unternehmen und Wirtschaftsverbänden nahmen vor Ort teil, weitere 247 Personen verfolgten die Veranstaltung im Livestream.
In ihrer Keynote betonte die Vorständin der Bertelsmann Stiftung, Daniela Schwarzer, die strategische Bedeutung nachhaltiger Entwicklung gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten. Eine erfolgreiche Nachhaltigkeitstransformation könne dazu beitragen, wirtschaftliche Resilienz zu stärken, Abhängigkeiten zu reduzieren und langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Vorstellung der Studienergebnisse durch die Forschenden der Universität Hamburg wurde anschließend in mehreren Panels diskutiert. Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft tauschten sich unter anderem über den Business Case nachhaltiger Geschäftsmodelle, über Investitionsbedingungen und über die Rolle der Politik aus. Dabei wurde deutlich: Unternehmen benötigen vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um langfristige Transformationsentscheidungen treffen zu können.

Transformation bleibt eine gemeinsame Aufgabe
Der Sustainability Transformation Monitor 2026 macht deutlich: Die Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft befindet sich in einer Phase der Konsolidierung. Ein grundlegender Rückbau nachhaltiger Aktivitäten ist nicht zu beobachten – doch der bisherige Schwung hat nachgelassen.
Gerade deshalb kommt es nun darauf an, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Verlässliche politische Signale, funktionierende Marktanreize und eine stärkere Integration von Nachhaltigkeit in Finanzierungsentscheidungen können dazu beitragen, die Transformation wieder zu beschleunigen. Gleichzeitig zeigt der STM26 auch, dass nachhaltige Transformation keine Aufgabe einzelner Akteure ist. Sie entsteht im Zusammenspiel von Unternehmen, Banken, Politik und Gesellschaft. Nur wenn diese Akteure gemeinsam handeln, können nachhaltige Geschäftsmodelle entstehen und die wirtschaftliche Transformation erfolgreich gestaltet werden.
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