Investitionen sind essenziell für Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum, besonders unter globalem Wettbewerbsdruck und strukturellen Herausforderungen. Allerdings fahren deutsche Unternehmen ihre Investitionstätigkeiten vermehrt zurück, zumindest in der Industrie.

Nur noch rund die Hälfte der Unternehmen plant bis Ende 2026 Erhalt- oder Ersatzinvestitionen. Das sind rund 15 Prozentpunkte weniger als in den vergangenen Befragungen. Noch schwächer ist das Bild bei Neuinvestitionen in Erweiterungen, Forschung und Entwicklung: Nur noch ein Viertel der Unternehmen plant, hier aktiv zu werden.

Dabei ist der Bedarf an Investitionen eigentlich riesig. Die Unternehmen müssten bis 2030 rund 1,4 Billionen Euro investieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Klimaziele zu erreichen.

Investitionsgeschehen variiert stark

Dabei zeigt sich im Investitionsverhalten der Betriebe ein heterogenes Bild.

  • Große Unterschiede bestehen zwischen den Branchen.
  • Große Unternehmen enteilen den kleineren Betrieben.
  • Im Westen wird stärker investiert als im Osten.
  • Technologische Vorreiter gehen auch bei Investitionen voran, technologieferne sind abgehängt. Die innovative Avantgarde liegt vorn, innovationsferne Unternehmen haben das Nachsehen.
  • Schließlich gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Investitionen.

Unterschiede zwischen Branchen

Große Unterschiede bestehen im Investitionsverhalten zwischen Branchen: Erweiterungsinvestitionen werden besonders in Chemie, Pharma und Energie getätigt, während Bauwirtschaft und Metallerzeugung zurückhaltender sind. Viele Unternehmen haben ihre Investitionen seit 2023 reduziert, vor allem in der Metallerzeugung.

Das passt auch zur Beschäftigungsentwicklung in diesen Branchen. In der Pharmaindustrie hat es hier einen Zuwachs von 13 Prozent seit dem Jahr 2016 gegeben, in der Metallerzeugung ist die Zahl der Beschäftigten dagegen im selben Zeitraum um 13 Prozent zurückgegangen.

In Industriebranchen, die unter Druck geraten sind, reduzieren Unternehmen ihre Investitionen. Hier droht ein Teufelskreis aus sinkender Investitionstätigkeit, geringerer technologischer Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungsabbau. Dass drei Viertel aller Industrieunternehmen keine FuE-Investitionen planen, ist angesichts der Bedeutung einer technologisch wettbewerbsfähigen Industrie für die Wertschöpfung in Deutschland besorgniserregend.

Kluft zwischen Groß und Klein, Ost und West

Eine Kluft tut sich auch zwischen Großunternehmen und kleineren Betrieben auf. Drei Viertel der Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten investieren in Erweiterungen, gut die Hälfte in Forschung und Innovation.

Dagegen investiert nur knapp die Hälfte der kleineren Betriebe in Erweiterungen und nur ein Viertel in Forschung und Innovation.

Auch zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands zeigt sich ein Gefälle. Die Zahlen in Westdeutschland liegen jeweils rund zehn Prozentpunkte über denen für die neuen Bundesländer.

In Ostdeutschland investieren nur 34 Prozent der Unternehmer:innen und Manager:innen in Firmenerweiterungen und Forschung. Auch bei den bis Ende 2026 geplanten Investitionen liegen sie hinten.

Vor allem technologische Vorreiter investieren

Insgesamt variieren die Gründe für Investitionen aber weniger nach Unternehmensgrößen, Branchen oder Regionen, sondern vielmehr danach, wie sich die Unternehmen technologisch positioniert sehen.

Beeindruckend sind die Forschungsinvestitionen der technologischen Vorreiter im Vergleich zu denen technologieferner Unternehmen. Während mit 84 Prozent fast alle Vorreiter in Forschung investieren, tun dies nur neun Prozent der Technologiefernen.

Die Vorreiter investieren aber nicht nur häufiger, sondern auch stärker als in den Vorjahren: Mehr als die Hälfte gibt an, dass ihre Investitionsbudgets gestiegen sind, aber nur drei Prozent der Technologiefernen. Dagegen haben 28 Prozent der Technologiefernen ihre Investitionsbudgets für die Forschung (stark) reduziert, aber nur sechs Prozent der Vorreiter.

Erfolg und Investition gehören zusammen

Auch die Gründe für Investitionen variieren stark: Vorreiter investieren eher aufgrund von Konkurrenzdruck oder zur Erschließung neuer Märkte. Technologieferne Unternehmen investieren eher aus Zwang, beispielsweise wegen gesetzlicher Vorgaben.

Dabei gehen Unternehmenserfolg und eine hohe Investitionstätigkeit miteinander einher. Unternehmen, die in Erweiterungen sowie Forschung, Entwicklung und Innovation investiert haben, sind deutlich stärker gewachsen als Unternehmen, die ihre Investitionen nicht ausgeweitet haben.

Mehr als 70 Prozent der Unternehmen mit stark gestiegenen Innovationsinvestitionen geben an, seit 2023 ein Umsatzplus erzielt zu haben. Das Ergebnis ist plausibel: Erfolgreiche Unternehmen investieren in die Erweiterung ihrer Kapazitäten und treiben Forschung voran, um ihre Wettbewerbsfähigkeit aus einer Position der Stärke heraus weiter zu verbessern.

Von den Industrieunternehmen, die seit 2023 deutlich weniger Mitarbeiter haben, investierten nur 16 Prozent in die Erweiterung und nur 25 Prozent in Forschung und Entwicklung.

Schrumpfende Unternehmen dagegen sind aufgrund steigenden Kostendrucks in ihren Investitionen limitiert und haben auch keine Notwendigkeit, ihre Produktion zu erweitern. Allerdings reduzieren rund drei Viertel der Unternehmen mit Umsatzrückgang ihre Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaufwendungen, die in Zeiten des Wettbewerbsdrucks eigentlich von besonderer Bedeutung wären, um neue nachfragestarke Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Weiteres Auseinanderdriften verhindern

Um ein weiteres Auseinanderdriften der Industrie zu verhindern, braucht Deutschland dringend wieder mehr flächendeckende Investitionen. Hierbei kommt es auf niedrigschwellige Angebote an, die vor allem für die innovationsfernen, kleinen Unternehmen einen direkten Nutzen bieten, beispielsweise durch regionale Akteure wie Wirtschaftsförderungen oder anwendungsorientierte Forschungseinrichtungen.

Hierzu müssen auch bürokratische Hürden abgebaut werden, um Investitionen zu erleichtern. Planungssichere und verlässliche Rahmenbedingungen sind für eine Revitalisierung der Investitionstätigkeit ebenfalls entscheidend.

Vor allem die bestehenden politischen Unsicherheiten auf dem Weg zur Klimaneutralität müssen überwunden werden. Dies ist auch relevant, um Investitionen in den Regionen zu stärken, denen ein großer Transformationsstress durch die Umstellung auf klimaneutrale Produktion noch bevorsteht.