Konsequenter Klimaschutz wird weiterhin mehrheitlich eingefordert, die Zustimmung zur konkreten politischen Ausgestaltung des nachhaltigen Wandels gerät jedoch zunehmend unter Druck. Das zeigen aktuelle Daten des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers der Transformation 2026, ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS).

Die Mehrheit ist für konsequenten Klimaschutz

Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrände: In diesem Sommer sind die Folgen des Klimawandels unmittelbar spürbar. Doch wie blickt die Gesellschaft auf den Weg zur Klimaneutralität und die damit einhergehenden Veränderungen? Die Ergebnisse des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers der Transformation zeigen: 80 Prozent der Menschen in Deutschland sorgen sich um die Folgen des Klimawandels und auch der Ausbau erneuerbarer Energien findet breite Unterstützung. Der Klimaschutz wird nicht grundsätzlich infrage gestellt. Im Gegenteil: Eine Mehrheit wünscht sich weiterhin konsequente Maßnahmen und mehr staatliche Investitionen. Auch weitere Schritte in der Energie-, Verkehrs-, und Wärmewende finden grundsätzlich Rückhalt.

Wirtschaftliche Sorgen drücken Zustimmung

Gleichzeitig wird dieser Rückhalt im Zeitverlauf jedoch brüchiger und die Zustimmung zu vielen Bereichen der Nachhaltigkeitstransformation sinkt. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der Energiewende: Unterstützten sie vor fünf Jahren noch 69 Prozent, waren es vor drei Jahren immerhin noch 65 Prozent – heute nur noch 60 Prozent. Die Einstellung der Bevölkerung gestaltet sich jedoch oft weitaus differenzierter, als es die polarisierte öffentliche Debatte vermuten lässt.

Ein möglicher Grund für den schwächer werdenden Rückhalt für den Klimaschutz ist die wirtschaftliche Situation. Jede zweite Person befürchtet, dass sich die Energie-, Verkehrs-, und Wärmewende in den kommenden fünf Jahren negativ auf die eigene finanzielle Situation auswirken könnte. Hinzu kommt die Sorge um die gesamtwirtschaftliche Lage: Viele befürchten vor dem Hintergrund der aktuellen Klimapolitik Wohlstandsverluste. Besonders deutlich werden diese Bedenken, wenn es um konkrete Veränderungen im eigenen Alltag geht. Der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme, energetische Sanierungen oder umweltfreundlichere Mobilität ist häufig mit hohen Investitionen verbunden, die für viele den Umstieg hemmen. Über drei Viertel halten den Umstieg für private Haushalte ohne staatliche Unterstützung für kaum machbar. Gleichzeitig teilen viele die Logik: Wenn wir jetzt nicht in Klimaschutz investieren, wird es am Ende noch teurer.

Klimaschutz und Wirtschaft zusammendenken

Trotz der finanziellen Sorgen werden Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung von vielen Menschen nicht als Gegensätze wahrgenommen. 44 Prozent sehen Investitionen in Klimaschutz als Chance für die Wirtschaft – fast doppelt so viele wie diejenigen, die darin keine wirtschaftlichen Chancen erkennen. Insgesamt wird deutlich: Klimaschutzbemühungen und wirtschaftliche Entwicklung sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr kommt es darauf an, Chancen wirtschaftlicher Modernisierung besser zu nutzen und berechtigte Sorgen angemessen zu adressieren. Breiten Rückhalt finden vor allem Maßnahmen, die den Alltag der Menschen spürbar verbessern – sei es durch bezahlbare Energie, verlässliche Infrastruktur oder gezielte Förderungen und Entlastungen.

Die zentrale Herausforderung liegt nicht in einer grundsätzlichen Abwehrhaltung, sondern im mangelnden Vertrauen in die politische Umsetzung. Mehr als die Hälfte bezweifelt, dass politische Entscheidungen rund um den nachhaltigen Wandel transparent und im Interesse der Allgemeinheit getroffen werden. Gleichzeitig wird die Energiewende von vielen als schwer verständlich und zu weit von den Lebensrealitäten entfernt wahrgenommen.

Der Weg nach vorn

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Der gesellschaftliche Rückhalt für Klimaschutz ist weiterhin vorhanden. Doch finanzielle Sorgen und fehlendes Vertrauen in die politische Umsetzung setzen ihn zunehmend unter Druck.

Damit Menschen die Transformation dauerhaft mittragen, sollten Maßnahmen bezahlbar und fair ausgestaltet sein. Gleichzeitig braucht es auch richtungsweisende politische Entscheidungen, die nachvollziehbar und transparent getroffen werden und das Vertrauen der Bevölkerung in Deutschland stärken. Denn am Ende hängt der Erfolg der Transformation auch davon ab, ob die Menschen darauf vertrauen können, dass der Weg der nachhaltigen Transformation gerecht, verlässlich und gemeinsam mit ihnen gestaltet wird – und zugleich das eigene Leben (und das zukünftiger Generationen) spürbar verbessert.

Zusatzinformationen

Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ. Es basiert auf Vorarbeiten der Jahre 2021-2023 und ist als Panelstudie angelegt, das heißt, es werden wiederholt dieselben Personen zu ihren Einstellungen, Sorgen und Erwartungen in Bezug auf den nachhaltigen Wandel befragt. Durchgeführt wird die Erhebung von forsa im forsa.omninet Panel. Als Grundgesamtheit der vorliegenden Studie gilt die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Für die diesjährige Onlineerhebung wurden zwischen dem 23. März und 13. April 2026 6.566 Personen befragt. Weitere Informationen finden Sie unter www.soziales-nachhaltigkeitsbarometer.de.