Die Circular Economy ist Voraussetzung für die Nachhaltigkeitstransformation und eine klimaneutrale Wirtschaft. Zudem birgt sie enorme Wertschöpfungspotenziale, die bislang noch nicht gehoben wurden. Dafür sind zahlreiche Innovationen notwendig. Doch wie steht Deutschland im internationalen Vergleich bei Technologien für die Circular Economy da?
Deutschland ist bei den Technologien für die Kreislaufwirtschaft weltweit führend: Mit Blick auf die wirtschaftliche Relevanz von Patenten ist die Bundesrepublik globaler Spitzenreiter. Auch die Quantität stimmt: Bei der absoluten Anzahl der Patente in diesem Bereich liegen nur die USA vor Deutschland. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die erstmals eine globale Auswertung technologischer Entwicklungen auf diesem Zukunftsfeld erlaubt.
17 Prozent der Patentanmeldungen aus Deutschland
Zwischen den Jahren 2010 und 2024 haben Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit knapp 62.000 technologische Patente im Bereich der Kreislaufwirtschaft angemeldet, zum Beispiel für das Recycling von Metallen und Kunststoffen oder die Herstellung von Chemieprodukten aus nachwachsenden Rohstoffen.
- Auf Deutschland entfallen dabei mit 10.700 Patenten knapp 17 Prozent der weltweiten Patentanmeldungen in dieser Zeit.
- Nur die Vereinigten Staaten schneiden mit 14.000 Patenten noch besser ab.
- Auf Rang 3 des globalen Rankings liegt Japan mit 8.600 angemeldeten Patenten.
- Danach folgen Frankreich, Italien und Großbritannien sowie China und Südkorea.
Ostasiatische Länder holen auf
Diese Führungsposition Deutschlands gerät allerdings zusehends unter Druck, weil China, Südkorea und Japan stark aufholen. Sie weisen in den vergangenen Jahren eine überdurchschnittliche Dynamik bei der Patentierung von Innovationen im Feld der Kreislaufwirtschaft auf.
So wurden in China im Jahr 2021 fast fünfmal so viele Patente erfolgreich angemeldet wie noch im Jahr 2010. Auch Südkorea und Japan liegen mit dreifach bzw. doppelt so hohen Patentzahlen in den Vergleichsjahren deutlich über dem Wert von Deutschland. Hier wurden im Jahr 2021 nur 1,3-mal so viele Patente wie im Jahr 2010 registriert – der geringste Wert unter den Top-Nationen.
Dabei ist die Kreislaufwirtschaft elementar für die dauerhafte Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit, aber auch für die ökologische Transformation der deutschen und europäischen Wirtschaft. Die Bundesregierung sollte sich daher schnell beim Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einigen, um einen verlässlichen gesetzlichen und finanziellen Rahmen für neue Innovationsimpulse zu schaffen.
Deutschland bei der Qualität der Patente weltweit führend
Wie gut Deutschland und andere Staaten technologisch für die Kreislaufwirtschaft aufgestellt sind, zeigt allerdings nicht allein die bloße Zahl der Patente, sondern auch ihre Qualität und die wirtschaftliche Relevanz. Als Indikator hierfür untersucht die Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, wie häufig die Patente eines Landes bei weiteren Patentanmeldungen zitiert werden und ob sie also relevant für neue Innovationszyklen sind. In dieser Hinsicht steht Deutschland aktuell an der Spitze.
Deutsche Patente sind in den vergangenen 15 Jahren fast 15.000-mal zitiert worden. An zweiter Stelle folgt Japan mit 9.960 Zitationen, praktisch gleichauf liegen die Vereinigten Staaten (9.900 Nennungen). Italien, Frankreich und Großbritannien folgen mit großem Abstand auf den nächsten Plätzen. Südkorea (1.734) und China (1.386) liegen noch deutlicher zurück.
Führend bei bedeutenden Innovationsfeldern der Circular Economy
Deutschland fokussiert sich auf mehrere globale Innovationsfelder, die für die Circular Economy relevant sind und mit seinen historisch gewachsenen Industriestärken übereinstimmen. Zwei Beispiele für solche wichtigen Innovationsfelder sind Batterietechnologien und -recycling sowie zirkuläres Bauen.
Beispiel Batterierecycling
Batterierecycling ist ein zentrales Zukunftsthema, vor allem vor dem Hintergrund des Ausbaus der E-Mobilität und der bestehenden großen Abhängigkeiten von China. Innovative Ansätze wie die Automatisierung der Demontage von Fahrzeugbatterien sowie die Nutzung von Second-Life-Anwendungen ermöglichen eine effiziente Wiederverwendung der wertvollen Rohstoffe und reduzieren die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten.
Batterierecycling ist das einzige der in der Studie betrachteten Technologiefelder, in dem sich der deutsche Anteil an den weltweiten Patenten zuletzt erhöht hat. Dabei konzentriert sich das Innovationsgeschehen bei Batterien anders als in anderen Technologiefeldern auf wenige große Konzerne.
Beispiel Zirkuläres Bauen
Beim zirkulären Bauen sieht das Bild in Deutschland ganz anders aus. Hier melden deutlich mehr und in der Fläche verteilte Akteure Patente an. Mit 20 Prozent der weltweiten Patente hat Deutschland in diesem Technologiefeld der Kreislaufwirtschaft den höchsten Weltmarktanteil.
Da in der Wiederverwendung von Materialien im Bausektor ein großes Potenzial für die Transformation liegt, ist diese Innovationskraft ein positives Zeichen. Rund die Hälfte aller entnommenen Rohstoffe steckt in Gebäuden, mehr als ein Drittel des Abfallaufkommens stammt aus Bau- und Abrissmaßnahmen. Hinzu kommt, dass viele Rohstoffe aus Deutschland selbst stammen, die Lieferketten also zu bedeutenden Teilen in eigener Hand liegen.
Die Spitzenposition verteidigen
Eine Konzentration auf diese Bereiche, in denen Deutschland bereits eine Vorreiterrolle einnimmt oder einen wachsenden Anteil hat, kann die Transformation vorantreiben. Balance ist hierbei allerdings essenziell.
Denn Deutschland neigt dazu, auf bestehenden Stärken und historisch gewachsenen Industriestrukturen aufzubauen, was zwar eine gute Grundlage bietet, aber auch die Dynamik des Innovationsgeschehens bremsen kann. Es besteht das Risiko, zu sehr an alten Themen festzuhalten.
Die Bundesrepublik muss also ihre Innovationsanstrengungen intensivieren und Innovationsaktivitäten deutlich steigern, um in diesen Zukunftsfeldern eine der weltweit führenden Nationen zu bleiben und die Circular Economy erfolgreich umzusetzen.
Was der Staat tun kann
Klare industriepolitische Ziele der Bundesregierung sind notwendig, um die Kreislaufwirtschaft und verwandte Branchen zu stärken. Voraussetzung dafür ist ein gemeinsames Verständnis für die ökologischen und ökonomischen Chancen der Circular Economy.
Programme zur Forschungsförderung und Clusterbildung können regionale Synergien zwischen Unternehmen, Forschung und Politik fördern und die Entwicklung sowie Skalierung von Innovationen beschleunigen.
Vor allem aber brauchen wir die verlässliche Nachfrage der öffentlichen Beschaffung, um innovativen zirkulären Produkten zur Marktdurchdringung zu verhelfen. Die öffentliche Hand stellt einen zentralen Hebel für die Transformation dar und sollte ihre Rolle als Impulsgeberin und Nachfragerin aktiv wahrnehmen.
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