Es fehlt global nicht an Geld, sondern an politischem Willen. Dem Willen, jene ökonomischen Hebel zu bedienen, welche das benötigte Kapital verfügbar machen. Denn die Studienlage ist klar: Jeder Monat, den wir mit Debatten darüber verbringen, was zu tun ist, kostet uns als Gesellschaft Geld.

Geld in Form von zukünftigen Klimaschäden, welche aktuelle Investitionskosten für eine klimakompatible Wirtschaft übersteigen. Solche Klimaschäden beinhalten unsichere landwirtschaftliche Erträge, abnehmende Arbeitsproduktivität, vermehrte Herz-Kreislauf-Krankheiten und vieles mehr.

Weil Klimaschäden erst am Entstehen sind, ist ihre genaue Quantifizierung schwierig. Mit zunehmender Evidenz angefallener Schäden, verbessern sich jedoch die Schätzungen und generell werden die Schätzungen eher nach oben revidiert.

Eine neue Studie aus diesem Jahr beziffert den Nutzen einer vermiedenen Tonne CO2 auf gut 1.200 US-Dollar, was weit über bisherige Schätzungen hinausgeht. In der EU, wo ein funktionierender CO2-Markt besteht, bewegt sich der Preis aktuell um die 75 Euro. Politisch scheint sich das Interesse an solchen Berechnungen aber in Grenzen zu halten.

Fehlt das politische Interesse?

Trump, 2016 gewählt mit dem Spruch „Trump digs coal“, wurde 2024 wiedergewählt mit dem Slogan „Drill baby drill“. Am 12. Februar dieses Jahres hat die Trump-Regierung das sogenannte „endangerment finding“ der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA zurückgezogen.

2009 von derselben Umweltbehörde basierend auf breiter wissenschaftlicher Evidenz publiziert, stufte das „endangerment finding“ den Klimawandel als Risiko für Gesundheit und Wohlstand ein, was regulatorische Eingriffe zur Eindämmung von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen ermöglichte. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben gegen die Entscheidung der Trump Regierung geklagt und der Ausgang der Gerichtsverfahren ist offen. Jedoch bleibt die Unsicherheit im Markt, ob die politische Unterstützung für weitere Emissionsreduktionen und grüne Technologien noch da ist.

In der EU sieht es besser aus, aber auch hier sind die Klimapolitik und der Emissionshandel politisch unter Druck. Die geplante Erweiterung des EU-Emissionshandels auf Gebäude und Verkehr wurde um ein Jahr auf Anfang 2028 verschoben und gleichzeitig steigt der politische Druck, den bestehenden Emissionshandel zu verwässern. Resultat davon: Mehr Unsicherheit, die uns weitere wichtige Monate im Kampf gegen den Klimawandel kosten. 

In diesem politischen Umfeld wäre es umso wichtiger, dass die internationale Gemeinschaft Projekte zur Emissionsreduktion und Klimaanpassung finanziert. Tatsächlich hat sich die internationale Gemeinschaft Ende 2024 zum Ziel gesetzt, ärmere Länder mit 300 Milliarden pro Jahr bei der Bewältigung des Klimawandels zu unterstützen. Das Versprechen gilt aber erst ab 2035 und die konkrete Ausgestaltung des Ziels, insbesondere die Ratifizierung der Beiträge in nationalen Parlamenten, stockt. Neben dem politischen Klima ist der Hauptgrund dafür die angespannte Finanzlage vieler westlicher Staaten. Woher also soll das Geld kommen?

Woher soll das Geld im aktuellen politischen Klima kommen?

Zwei Optionen sollten meines Erachtens geprüft werden.

Übergewinne besteuern

In einer 2024 veröffentlichten Studie haben Anna Stünzi, Michael Grubb und ich nachgerechnet, wie viel Geld Öl- und Gasfirmen 2022 mit geopolitischem Glück verdient haben. Im Februar 2022 fiel die russische Armee in der Ukraine ein und infolgedessen stiegen die Energiepreise global massiv an.

Die Kosten für die Förderung von Öl und Gas blieben jedoch unverändert, entsprechend gross die Marge, welche bei Öl- und Gasfirmen hängen blieb. Konkret fanden wir für das Jahr 2022 allein einen Übergewinn, das heisst Gewinn aufgrund der unerwarteten russischen Invasion, von 490 Milliarden USD. Dazu kommen erwartete Gewinne von 753 Milliarden USD. Wir beobachten also eine Situation, in der die Firmen im Zentrum des Klimaproblems massive Profite machen.

Regierungen sollten im Rahmen internationaler Foren, wie der G20-Gruppe, ein Abkommen zur Besteuerung solcher Übergewinne schließen. Das OECD-Abkommen zur Mindestbesteuerung von Unternehmen hat gezeigt, dass solche Deals möglich s ind. Zur Illustration, die staatliche norwegische Ölfirma Equinor hat 2022 allein 46 Milliarden US-Dollar an Überprofiten aufgrund des geopolitischen Zufalls eingefahren. Dieses Geld sollte zumindest teilweise eingesetzt werden, um Klimatechnologien zu fördern und ärmeren Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen.

Schuldengefälle abbauen

Die Staatsverschuldungsquote Deutschlands liegt bei ca. 3 Prozent des BIP. Ist jede vermiedene Tonne CO2 1,200 US-Dollar wert, sollte ein Großteil des Sondervermögens auf Klimainvestitionen verwendet werden – aktuell sind aber nur ca. 20 Prozent dafür vorgesehen.

Umgekehrt liegt großes Potenzial im Erlass und der Restrukturierung von Schulden in Entwicklungsländern. Afrikanische Regierungen sind so hoch wie selten zuvor verschuldet, was Investitionen in Klimaanpassung auf dem Kontinent, der am stärksten von Klimaschäden betroffen ist, erschwert. Entsprechend sollten global Räume zur Staatsverschuldung für den Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden. Gleichzeitig braucht es eine ernsthafte Diskussion um Schuldenerlasse für Entwicklungsländer, da ansonsten dringend in dieser Dekade nötige Investitionen nicht getätigt werden können.

Es braucht neue Investitionslogiken

Das Kernproblem bleibt, dass der Nutzen von Klimainvestitionen nicht beim Investor (öffentlich oder privat), sondern global anfällt. Entsprechend braucht es neue Investitionslogiken, welche Kosten und Nutzen in einem Raum über den einzelnen Investor hinaus für die Investitionsentscheidung berücksichtigen.

Erste Ansätze in die Richtung systemischer Investitionen werden entwickelt und erprobt, zum Beispiel im Rahmen des Think Tanks TransCap Initiative, der Innovative Finance Initiative oder dem Transformation Finance Lab an der TU München. Parallel dazu wird es politisches Kapital und politischen Willen brauchen, eine globalisierte Wirtschaft und globales Kapital sinnvoll und gerecht zu besteuern.

Weitere Beiträge zum Thema auf unserem Blog:

Ungelöste Herausforderungen in der Klimafinanzierung von Niklas Illenseer, MCC Berlin

CO2-Bepreisung: Aus Widerstand wird Zustimmung von Klaus M. Schmidt, Ludwig-Maximilians-Universität München

Grüne Geldpolitik – Innovative Geldpolitik von Prof. Dr. Mechthild Schrooten, Hochschule Bremen